Success Story - Einhorn mit Stiernacken: EGYMs Staffellauf zur Milliardenbewertung

Smarte Fitnessgeräte, vernetztes Trainingserlebnis, Firmenfitness über das Wellpass-Netzwerk, zu dem über 20.000 Studios, Schwimmbäder und Kletterhallen gehören. Das Münchener Scaleup EGYM hat sich seit Gründung vom Hardware-Startup zu einem führenden Healthtech-Unicorn für vernetzte Fitnesstechnologie gemausert. Eine unternehmerische Erfolgsgeschichte, die durch finanzielle Booster in Form von Venture Capital möglich wurde. Bayern Kapital ist Investor der ersten Stunde – und hat Höhen und Hürden der EGYM-Story partnerschaftlich begleitet.

Es ist 2010: Südafrika ist Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft. Jay Cutler gewinnt zum vierten Mal den prestigeträchtigen „Mr. Olympia-Titel“, und im Kontrast zur Bodybuilding-Szene gewinnen funktionale Ästhetik und neue Trends wie Crossfit zunehmend an Bedeutung. Im gleichen Jahr kommen digitale Fitness-Tracker in der Breite an: Es erscheint die erste Version der App MyFitnessPal auf iOS, und produktseitig gewinnt das im Vorjahr erschienene Fitbit Classic-Armband immer mehr Fans. 

Trotz der Dynamik in der Sportler-Szene beobachten die beiden damaligen Studenten Florian Sauter und Philipp Rösch-Schlanderer beim Besuch im Fitnessstudio: Ein Großteil der Trainierenden weiß zu wenig über die Geräte, die damals nur aus Seilzügen, Umlenkrollen und Metallgewichten bestehen. Viele nutzen die Ausstattung falsch, bekommen keine Rückmeldung zu ihrer Übungsausführung, und verlieren mangels Trainingserfolges die Lust am Sport. Für die Anlagen-Betreiber ein Problem: Deren größte wirtschaftliche Herausforderung ist die „Churn-Rate“, also die Abwanderung von Kunden. Fitnessstudios gewinnen unter (oft erheblichen) Aufwendungen in Marketing und Vertrieb zwar Mitglieder. Die meisten davon kündigen jedoch nach kurzer Zeit wieder.  

Suboptimal für alle Seiten, finden Sauter und Rösch-Schlanderer – und haben eine Idee: Sie wollen computergestützte, intelligente Kraftgeräte von Grund auf neu bauen und sie digital vernetzen. Sogenannte Smart Strength Machines sollen Trainingsdaten systematisch auswerten, Sportlern individuelles Feedback geben, ein modernes Trainingserlebnis bieten und so die Motivation der Trainierenden aufrechterhalten. 2016 kommt die Geräteserie EGYM Smart Flex für optimales Mobilitäts- und Muskellängentraining dazu. EGYMs selbsterklärte Vision: „Make the Gym work for everyone.” 

Aufwärmphase: Dank Venture Capital in schnellen Schritten zur Marktreife  
Um die Idee in Prototypen und letztlich ein kommerzialisierbares Produkt zu verwandeln, brauchen die beiden Startkapital. Doch die Investorensuche gestaltet sich für EGYM von Anfang an herausfordernd – nicht nur in der Gründungsphase, sondern auch in den darauffolgenden Wachstumsjahren. Entwicklung und Produktion von Hardware ist kapitalintensiv, eine schnelle Skalierung im Vergleich zu beispielsweise reinen Software-Lösungen nicht möglich, das Subskriptions-Modell im Vertrieb scheint zudem unattraktiv. Dennoch sehen einige Geldgeber, darunter Bayern Kapital, bereits in dieser frühen Phase das langfristige Marktpotenzial und investieren im Rahmen einer Seed-Finanzierungsrunde. Das ermöglicht EGYM unter anderem den Aufbau eines kleinen, aber fokussierten Entwicklerteams in München und damit den Bau erster serienreifer Trainingsgeräte. Zwei Jahre später, im Jahr 2012, erfolgt der Markteintritt auf der weltweit größten Sportmesse Fibo.

Nach der erfolgreichen Produktvalidierung beginnt EGYM ab 2013 mit der Skalierung in den deutschsprachigen Raum und später in andere europäische Märkte. Nicht ohne Hürden: Der Fitnessmarkt zeigt sich in Teilen preissensibel und heterogen, insbesondere in der Internationalisierung. In Deutschland erfolgreiche Strategien, etwa die Zusammenarbeit mit Veteranen der Sportindustrie, lassen sich nicht einfach in andere Märkte übertragen, sondern erfordern landesspezifische Lokalisierungsmaßnahmen.

Nach unzähligen Gesprächen mit Industrie-Veteranen gelangen die beiden Gründer Florian Sauter und Philipp Rösch-Schlanderer immer mehr zu der Erkenntnis, dass neben der reinen Mechanik und applikationsbasierten Gerätesteuerung die ganzheitlich vernetzte Trainingsfläche enorme Potenziale birgt. Sie integrieren daher Cardiogeräte, Körperfettwaagen, Consumer-Wearables wie SmartWatches und andere Hard- und Softwareprodukte dritter Hersteller deshalb in die EGYM Open Cloud. Bis heute entscheiden sich über 200 Anbieter aus aller Welt dafür, Partner im EGYM-Ökosystem – dem mit Abstand größten der Branche – zu werden. 

Im nächsten Schritt expandiert EGYM in den Bereich Firmenfitness und legt dazu den Grundstein mit der Übernahme eines seinerzeit führenden Anbieters: qualitrain. Damit ist der Grundstein für das spätere Sport- und Wellnessnetzwerk Wellpass gelegt. Die These: Die Verschränkung von Firmenfitnessprogrammen in Form vergünstigter Studio-Zugänge mit den EGYM-Geräten vor Ort für ein sicheres und anfängerfreundliches Trainingserlebnis soll das EGYM-Angebot als gesundheitliche Präventionsmaßnahme für Arbeitgeber interessant machen – und EGYM mit klarem Alleinstellungsmerkmal von anderen Firmenfitness-Anbietern abheben. Auch mit Programmen im Bereich Physiotherapie und Reha stellt EGYM sein Geschäftsmodell breiter auf.

Der Plan geht auf. Die neue Kombination aus intelligent vernetzter Trainingsfläche und einfacher Nutzerführung, Firmenfitness-Paketen und präventiven Gesundheitslösungen macht EGYM zu einer stimmigen Gesamtstory im Healthtech-Markt. Verschiedene Erlösquellen und starker Kundenbindungsfaktor machen das Startup nun auch für Investoren interessanter: In den darauffolgenden Jahren beteiligen sich im Zuge mehrerer Finanzierungsrunden unter anderem Highland Europe, HPE Growth und NGP Capital an EGYM, die Bewertung beläuft sich Mitte 2020 auf rund 200 Millionen Euro. Auch Bayern Kapital bleibt während der gesamten Wachstumsphase als Ankerinvestor an Bord.

Dann kommt Corona.

Unternehmerischer Kreuzbandriss: Wenn alle Kunden schließen müssen
Die COVID-19-Pandemie trifft EGYMs Kernkundensegment – Fitnessstudios – hart. Von heute auf morgen kommt es Anfang 2021 zu Umsatzeinbrüchen und Verzögerungen bei geplanten Expansionen. Corona-Hilfen sind keine Option: EGYM ist nicht unmittelbar von den rechtlichen Schutz- und Schließungsmaßnahmen betroffen. Doch die Kundenbasis bricht über Nacht umfassend weg. 

Für EGYM beginnt mit der Pandemie ein unternehmerischer Überlebenskampf. Wachstumspläne werden ausgebremst, Kurzarbeit ist aus verschiedenen Gründen keine sinnvolle Option. EGYM muss rund 100 Mitarbeiter entlassen – damals über 20 Prozent des Teams. Eine kurzfristige Venture-Debt-Finanzierung von Kreos Capital (heute Teil von Blackrock) ermöglicht es EGYM Anfang 2021, mitten im Lockdown, eine weitere Finanzierungsrunde anzubahnen. Dass sich auch Bayern Kapital als Investor der ersten Stunde in dieser schwierigen Zeit über den ScaleUp-Fonds Bayern erneut beteiligt und damit sein Engagement bekräftigt, sendet spürbar wichtige Signale an potenzielle Neu-Investoren: Maifair Equity Partners steigt trotz der unsicheren Lage bei EGYM ein, fast 35 Millionen Euro sammelt EGYM trotz Corona ein und übersteht so seine kritischste Phase. Das Team nutzt die Zeit und die neuen Mittel, um das digitale Ökosystem weiterzuentwickeln.  

Marathon mit Zieleinlauf: Durchatmen nach Lockdown-Phase
In der Post-Corona-Phase profitiert EGYM stark vom gestiegenen Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung und der wachsenden Nachfrage nach vernetzten, präventiven Lösungen. Der B2B-Markt im Bereich Corporate Health wird zu einem wichtigen Wachstumstreiber: qualitrain wird 2022 zum heute bekannten Wellpass-Netzwerk und bindet immer mehr Kooperationspartner an. Heute sind über 20.000 Partnerstudios und Sporteinrichtungen und eine gleiche Zahl Unternehmen mit 3,8 Millionen teilnahmeberechtigten Mitarbeitern Teil von Wellpass. 

Die neue Wachstumsdynamik wollen die Gründer nutzen: Im Rahmen zweier weiterer Finanzierungsrunden gewinnt EGYM zunächst Mayfair Equity Partners, Affinity Partners und erneut Bayern Kapital, sowie später Meritech Capital Partners und den branchen-erfahrenen Private-Equity-Investor L Catterton als Investoren, was im Sport- und Gesundheitswesen einem Ritterschlag gleichkommt. Diese Finanzierungsrunde aus dem September 2024 verschafft EGYM schließlich den „Einhorn“-Status – eine Unternehmensbewertung von über einer Milliarde Euro.

Sichtbarer Trainingserfolg: EGYM in Siegerpose
Heute sind die Münchener ein weltweit führender Anbieter intelligenter, technologiegestützter Workout-Lösungen für Fitness- und Gesundheitseinrichtungen. Sie bieten ein umfassendes Ökosystem, das smarte Trainingsgeräte, digitale Apps und Services mit Produkten von über 200 vernetzten Partnern kombiniert, und schaffen so ein nahtloses und personalisiertes Trainingserlebnis für Sportanfänger wie -fortgeschrittene. Seit 2024 offeriert EGYM seinen Kunden mit EGYM Genius KI-gestützte personalisierte Trainingspläne für das gesamte Studio. Sie berücksichtigen das im jeweiligen Gym vorhandene Equipment - selbst nicht vernetzte Geräte - und sind für jeden Trainierenden maßgeschneidert. EGYM-Geräte sind mittlerweile in über 20 Prozent aller Fitnessstudios in Deutschland präsent. Mit Wellpass bietet EGYM eine umfassende Lösung im Betrieblichen Gesundheitsmanagement an – und will auch in Zukunft sportlich weiterwachsen. Bayern Kapital hat diesen Marathon seit der ersten Stunde mitbegleitet. Mit seinen Anker-Investitionen – auch in schwierigen Phasen – hat Bayern Kapital immer wieder Vertrauenssignale an private Investoren gesendet und damit kontinuierlich zum langfristigen Erfolg von EGYM beigetragen. 

  •    ,, Venture-Capital-Investoren liefern einer Firma drei große Wertstifter: Kontakte zu weiteren Investoren herstellen. Bei Finanzierungsrunden immer wieder mitzugehen, um den Glauben ans Unternehmen auszudrücken. Und im Konsortium zusammenarbeiten und sicherstellen, dass das richtige Management im Team sitzt. Alle drei Assets hat Bayern Kapital auf EGYMs Reise bis zum Unicorn zuverlässig geliefert."

    – Patrick Meininger, CFO von EGYM.