Start-ups brauchen ausreichend Kapital, damit sie gedeihen können. Die Venture-Capital-Gesellschaft Bayern Kapital unterstützt sie – nicht nur bei der Finanzierung.
Schon von klein auf wollte Dominik Schumacher eigene Ideen umsetzen und Großes anstoßen. Am Standort Bayern kommt er seinem Ziel nun stetig näher. Vor gut 6 Jahren gründete er zusammen mit Jonas Helma-Smets die Tubulis GmbH, ein Spin-off des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Es ist auf die Entwicklung hochwirksamer Krebsmedikamente spezialisiert, sogenannter Antibody-Drug Conjugates (ADCs). Sie sollen Tumore präziser bekämpfen und das umliegende gesunde Gewebe dabei schonen.
Ein entscheidender Faktor, um ambitionierte Ideen wie diese möglichst schnell zu realisieren, ist die Finanzierung: „Wirkstoffentwicklung ist sehr kapitalintensiv, bis man ein zugelassenes Produkt am Markt hat, muss man lange investieren“, sagt Schumacher. Umso stolzer ist er, dass Tubulis kürzlich eine der größten Series-C-Finanzierungen eines europäischen Biotechs gelang.
Das Unternehmen sammelte insgesamt 308 Millionen Euro von verschiedenen Investoren ein, um die klinische Entwicklung seines Hauptproduktkandidaten gegen Eierstockkrebs voranzutreiben. Unter den Geldgebern ist Bayern Kapital, die Venture-Capital-Gesellschaft des Freistaats Bayern. „Ein bewährter Partner, der uns schon seit der ersten signifikanten Finanzierungsrunde, also der Series-A-Finanzierung, unterstützt und begleitet“, sagt Schumacher.
Tubulis hat damit vorerst eine Hürde genommen, vor der viele Scale-ups stehen, wie IHK-Finanzierungsexperte Georg Schulte-Holtey weiß: „Unternehmen aus Zukunfts- beziehungsweise Hightech-Branchen sind, verglichen mit Start-ups, in besonderem Maße auf externe Finanzierung angewiesen, da ihr starkes Wachstum großvolumige Vorabinvestitionen erfordert, die sie nicht allein aus laufenden Umsätzen decken können.“
Umso wichtiger sind institutionelle Investoren wie Bayern Kapital. „Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Schließung von Finanzierungslücken in der Scale-up-Phase, indem sie großvolumige Beteiligungen bereitstellen und dadurch weiteres privates Kapital mobilisieren.
“Bayern Kapital agiert als Anker- sowie ausschließlich als Co-Investor im Konsortium mit privaten Investoren. „Wir investieren nach dem Pari-passu-Prinzip. Das bedeutet, dass alle Beteiligten einer Finanzierungsrunde zu wirtschaftlich gleichen Konditionen investieren. Bayern Kapital spiegelt dabei das Investment von einem oder mehreren privaten Investoren“, erläutert Monika Steger, seit 2022 Geschäftsführerin der Bayern Kapital GmbH. „Bei Bedarf unterstützt Bayern Kapital das Start-up oder Scale-up dabei, weitere Investoren wie Business Angels, Risikokapitalgeber oder Family Offices in ihrem Netzwerk zu aktivieren.“
„Bei Bedarf unterstützt Bayern Kapital das Start-up oder Scale-up dabei, weitere Investoren zu aktivieren."
Tatsächlich scheint der Einsatz der bayerischen VC-Gesellschaft neue private Geldgeber zu Investitionen anzuregen. „Die Beteiligung eines langfristig orientierten staatlichen Partners hat gerade bei internationalen Investoren Vertrauen geschaffen“, bestätigt Martin Langer, CEO des Space-Tech-Unternehmens OroraTech GmbH. Das 2018 gegründete Spin-off der Technischen Universität München (TUM) nutzt satellitenbasierte Thermal-Infrarot-Technologie, um weltweit kritische Infrastrukturen und Kommunen bei der frühzeitigen Erkennung von Waldbränden zu unterstützen. Schon seit der Seed-Phase 2021 hat Bayern Kapital im Rahmen mehrerer Finanzierungsrunden in das Unternehmen investiert.
OroraTech gehört inzwischen zu den führenden Akteuren auf dem Markt für KI-gestützte Frühwarnsysteme und ist beim 2021 aufgelegten Scale-up-Fonds von Bayern Kapital mit dabei. „Die Mittel haben wir vor allem für den Ausbau unserer Satelliten- und Sensortechnologie, den Aufbau internationaler Kundenbeziehungen sowie die Skalierung unseres Teams eingesetzt“, erläutert Firmenchef Langer. Die Finanzmittel ermöglichten langfristiges Denken und trügen dazu bei, „den kurzfristigen Renditedruck zu reduzieren“.
Das ist aber nicht der einzige Erfolgsfaktor in der Zusammenarbeit mit Bayern Kapital, den Langer hervorhebt. Wichtig sei für ihn vor allem der strategische Austausch mit einem Partner, der Deep-Tech-Geschäftsmodelle verstehe. Die enge Zusammenarbeit signalisiere, dass ambitionierte Technologieunternehmen in Bayern langfristige Partner finden, auch über frühe Phasen hinaus.
„Das stärkt unsere Bindung an den Standort“, betont der OroraTech-Chef, der auch noch andere Standortfaktoren lobt: Bayern biete eine einzigartige Kombination aus exzellenter Forschung, starker Raumfahrt- und Deep-Tech-Industrie sowie ein dichtes Netzwerk aus Start-ups, Mittelstand und Konzernen. „Die Nähe zu Hochschulen, zur Raumfahrt-Community und zu internationalen Investoren macht München darüber hinaus für uns strategisch sehr attraktiv.“
Eine enge Bindung an den Standort durch gute Rahmenbedingungen ist essenziell, damit innovative Zukunftsunternehmen und somit die Arbeitgeber von morgen nicht in die USA oder nach Asien abwandern. Deshalb hat der Freistaat kürzlich im Rahmen der Initiative VC4Start-ups einen neuen Wachstums- und Scale-up-Fonds bei Bayern Kapital mit einem noch größeren Volumen von 500 Millionen Euro aufgelegt-
„Dieser erlaubt ein maximales Investment von 50 Millionen Euro pro Unternehmen, das ist in Deutschland einzigartig“, so Bayern-Kapital-Geschäftsführerin Steger. Der neue Fonds ist auf technologieorientierte, stark expandierende bayerische Scale-ups ausgerichtet und damit auch für Firmen wie OroraTech und Tubulis interessant.
„Jetzt sind wir aber erst einmal frisch kapitalisiert und unser Fokus liegt darauf, unsere Produktkandidaten schnell zu den Patienten zu bringen, die neue Medikamente benötigen“, sagt Tubulis-Gründer Schumacher. Trotz Internationalisierung möchte der gebürtige Darmstädter, der bei Düsseldorf aufwuchs, dort Chemie und Wirtschaft studierte und über Berlin gezielt München ansteuerte, möglichst am Standort festhalten. Deutschland und speziell Bayern seien absolute Spitze, was die Biotech-Forschung angehe. Hier finde er die Mitarbeiter, die das Unternehmen voranbringen, und auch in puncto Finanzierung tue sich einiges. „Lassen Sie es mich so sagen: Wir brauchen alle Organe, um weiter erfolgreich zu sein, aber unser Herz schlägt in München.
Artikel erschienen im IHK-Magazin 03/2026 von Eva Müller-Tauber